Steiermark, Oberösterreich, Hallstätter See, Winter

Durchgeknallt und paradox: Zimmersuche in den Alpen

Geschrieben am 08. 01. 2013 von Ulli Lenhard

Kennt ihr den Spruch „Qualität setzt sich durch“? Ich weiß nicht, ob das jemals gegolten hat, aber im Tourismus trifft dieser Satz auf jeden Fall nur für das Marketing zu. Aktuelles Beispiel ist meine Suche nach einer Ferienwohnung in Ramsau am Dachstein. Diese Gegend in der Steiermark bis hinüber nach Hallstatt (Foto: Getty Images) ist derartig atemberaubend, dass selbst ich als Freund der Schweizer Berge im Sommer noch einmal den Versuch eines Winterurlaubes in Österreich starte.

Wintersportgebiet Ramsau ausgebucht? Nö.

Natürlich ist in der Hauptsaison so gut wie alles ausgebucht. Meine Anfrage beim Tourismusamt ergab jedoch, dass eine Ferienwohnung für den sagenhaften Preis von unter 300 Euro für 7 Tage (ohne Frühstück) nicht nur zu meinem Wunschtermin, sondern eigentlich immer leer steht. Wie das? Ist sie so schlecht? Nein. Die Antwort ist eine andere. Mein Domizil ist im Internet nicht einmal zu finden, wenn man Namen und Adresse bereits weiß. Eine Erwähnung in der Länge eines Telefonbuch-Eintrages gibt es. Keine Beschreibung, keine Bewertung, kein Test, nichts.

Ja klar, ich nehme Einschränkungen bei der Ausstattung in Kauf, ein lang nicht bewohnter Raum hat auch einen anderen olfaktorischen Faktor als ein immer gut gelüftetes und bewohntes Zimmer. Aber da halte ich es wie Kollege Pit Gottschalk mit dem Hyatt-Hotel in Köln: Auf die Aussicht kommt es an.

Ich habe mich erkundigt, vor Ort. Die Unterkunft ist empfehlenswert. Nur Werbung macht der Eigentümer nicht, gar keine. Kein Reisebüro kennt das Haus. Und jetzt sagt sich der eine oder andere: Na ja, ein paar Exoten gibt es immer. So ist das aber nicht. In jedem Ort der Alpen gibt es einen hohen Prozentsatz von Ferienwohnungen, deren Vermieter allenfalls mit einem Schild am Balkongeländer für sich wirbt. Manchmal nicht einmal das, und deshalb schaue ich am Türschild eines interessanten Privathauses, ob da auf der zweiten Klingel vielleicht „Ferienwohnung“ steht. Kein Witz, dabei bin ich mehr als einmal erfolgreich gewesen!

Unterkunfstsuche ohne Voranmeldung nach Augenschein

Ich pflege in den Bergen folgendes Vorgehen bei der Unterkunftssuche, jedenfalls wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Ich fahre ohne Reservierung in den Ort, durch ihn hindurch in die Richtung, in die ich vom Balkon und aus dem Fenster schauen möchte, und blicke zurück. Nun ist klar erkennbar, welches die besten Lagen sind. Zurück im Ort überprüfe ich, ob Zimmer oder Wohnungen vermietet werden. Meist ist es so. Und der Preis ist dann grundsätzlich niedriger als ringsum. Wie das kommt? (mehr…)

Sicherheit auf der Fähre zwischen Koh Samui und Thailand???

Beste Fehler für den Thailand-Urlaub

Geschrieben am 03. 01. 2013 von Ulli Lenhard

Die Berge in Thailand sind übersichtlich. Ich bin dennoch hingefahren. Es war der Wunsch meiner Frau. Um es kurz zu machen: Ich bereue nichts. Thailand ist klasse. Jedenfalls dort, wo ich war. Obwohl, oder vielleicht gerade deshalb, weil ich alles falsch gemacht habe.

Fehler Nummer 1: Das Flughafenhotel

Ich habe mir schon halb im Aufbruch zum Flughafen Tegel schnell noch für die erste Nacht ein Zimmer im Flughafenhotel in Bangkok reserviert, damit wir nach 17 Stunden Flugreise abends keine Unterkunft suchen müssen. Das Hotel lag mitten im Flughafen, nicht einmal ein Taxi brauchten wir. Dachte ich.

Tatsächlich habe ich in der Eile nicht darauf geachtet, um welchen Airport es sich handelt. Das sicher wunderbare Amari auf dem Flughafen Don Muang habe ich nicht zu Gesicht bekommen. Dafür haben wir zusätzlich zum nicht genutzten Zimmer den doppelt so hohen Tagespreis für das exzellente Novotel am Airport Suvarnabhumi gezahlt.

Fehler Nummer 2: Der Mietwagen

Für nur gut 300 Euro haben wir einen Nissan Almera mit Top-Ausstattung, Automatikgetriebe und rundum kompletter Versicherung für 14 Tage gemietet. Abzuholen auf dem Flughafen Bangkok am Morgen nach der Ankunft. Abzugeben im Flughafen Bangkok am Ende des Urlaubs.

Wir sind drei lange Tage nach Don Sak gefahren, mit der Fähre nach Koh Samui übergesetzt, haben am Ende den Wagen für den Aufpreis von 100 Euro abgegeben und sind für 100 Euro nach Bangkok zurückgeflogen. Den Mietwagen haben wir eigentlich nicht gebraucht.

Fehler Nummer drei:  Die Reisezeit

Wir sind in der letzten Novemberwoche eingetroffen. Wie man uns erzählte, hatte es bereits ganz untypisch für Thailand eine Woche Dauerregen gegeben, statt des einmal am Tag auftretenden einstündigen Monsunregens. Na ja, dachte ich, dann wird das Phänomen ja bald vorbei sein. War es auch. Nach nur weiteren sechs Tagen.

Ende gut, alles gut: “Berge”

 

Fehler Nummer vier war, die Reise nicht mit der Kollegin Gudrun Brandenburg zu planen. Auf weitere Fehler haben wir verzichtet. Und auch die ersten drei waren im Nachhinein Vorteile. Wir haben gleich zu Beginn Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Thailänder kennengelernt. Wir haben keinen Nepp erlebt in einer Situation, in der man überall sonst auf der Welt im Urlaub ausgeplündert worden wäre. Wir haben festgestellt, dass Regen in Thailand eher erfrischend als unangenehm ist.

Von der Fähre nach Don Sak / Thailand

Fähre von Koh Samui nach Don Sak: Berge?

Wir haben den schmalen Streifen zwischen Bangkok und dem Süden kennengelernt sowie die Stadt Hua Hin und wissen jetzt, wo wir nicht wieder hin müssen. Und am Ende war es doch gut, einen Mietwagen zu haben. Denn hätten wir sonst wirklich die versteckten Resorts gefunden,  mit den sagenhaft schönen Bungalows direkt am Meer? Und am Ende haben wir auch noch die thailändischen „Dolomiten“ gesehen. Dazu später mehr.

Urlaub in Thailand in Khanom bei Koh Samui

Was Thailand mit Bergen verbindet

Geschrieben am 02. 01. 2013 von Ulli Lenhard

 

Okay, ich habe mich reinquatschen lassen. Thailand! Keine gescheiten Berge. Strand. Na ja, dachte ich, wird schon nicht so schlimm werden. Was soll ich sagen? Ich bin begeistert. Und das kam so.

Die Menschen sind freundlich. Wahrhaftig und von Herzen. Sie können aber auch anders, machen sich lustig über einen oder zeigen unverblümt ihr Missfallen. Im Ergebnis ist es unmöglich, nicht entspannt zu sein. Ähnlich wie in den Alpen – sogar “Täler” mit lauten, unfreundlichen Menschen gibt es. Das sind die Zentren mit Touristen, die laut pöbelnd die sanften Einheimischen verschrecken und sich lautstark über die angeblichen Vorzüge der thailändischen Frau auslassen: dienen und Klappe halten. Wir haben einen großen Bogen darum gemacht.

Wohnen auf dem Strand  in Thailand

Die Strände sind ganz anders als alles, was ich bislang kennen gelernt habe. Weil der Golf von Thailand so ruhig und flach ist, stehen die Bungalows direkt am Strand, teilweise schon darauf. Das bedeutet: Man sitzt auf seiner Veranda im Schatten, Klimaanlage, Kühlschrank und Dusche nur drei Meter entfernt, und mit den Füßen im Sand.

Los ging es mit dem Wunsch meiner Gemahlin, als Hochzeitsreise – wir haben im September geheiratet – nach Thailand zu fahren. Obwohl es dort weder schneebedeckte Gipfel noch Wanderwetter gibt. Statt eines langweiligen Strandurlaubes auf langweiligen Touristeninseln bekam ich eine neue Liebe: Thailand.

Mückenplage und Sketolene

Der Honorarkonsul von Pattaya sagte in einer Doku über Auswanderer, sie könnten das Glück nicht ertragen. Das kann ich jetzt nachvollziehen. Nur eines stört. Die Mücken. Als wir ankamen, hatte es gerade ganz untypisch für Thailand mehrere Tage lang pausenlos geregnet, und die kleinen Plagegeister haben sich erst vermehrt und dann uns übel zugesetzt.

Als Dämpfer für ungetrübtes Glück reicht mir das vollkommen aus. Dank Sketolene hielt sich der Kollateralschaden jedoch in Grenzen.  Tipp für Thailand-Neulinge: Einen Euro pro Tag sollte man für das Mückenschutzmittel einplanen. Das ist in Thailand nicht wenig!

Thailand in Serie

Ich beabsichtige, in loser Folge über die Erfahrungen zu schreiben, die ich in Thailand gemacht habe. Bei myEntdecker habe ich schon diverse Artikel dazu verfasst, etwa über die Verständigung mit den Thailändern. Wer sich umfassend über seinen Urlaub in Thailand informieren will, dem empfehle ich dringend die Site meiner Kollegin Gudrun, Klick-Thailand.de. Ihre Tipps haben weitergeholfen, anders als der Reiseführer mit dem großen Namen, der Informationen meist verschwieg. Ansonsten konnte man die Faustregel anwedenden: Steht es im B…r, gilt das Gegenteil. Auch einen Thailand-Blog führt Gudrun.

Blümlisalphütte im Berner Oberland

Beste Unterkunft beim Alpenverein

Geschrieben am 23. 11. 2012 von Ulli Lenhard

St. Anton am Arlberg ist ein recht teures Skigebiet. Die beste Unterkunft ist dennoch preiswert: Die Alpenvereinshütte der Sektion Ulm. Diese hat sogar vier Doppelzimmer mit Dusche und WC, was eine Besonderheit ist, die man in Alpenhütten nur selten findet. 2285 Meter hoch liegt das Haus, oben an der Bergstation Valfagerbergbahn. Wenn alle anderen spätestens mit Einbruch der Dämmerung verschwunden sind, bleiben Alpenvereinsmitglieder unter sich.

Gut, Aprés-Ski und Balz fallen weitgehend “flach”, Alkohol aus dem Tal ist nicht erwünscht, das Wirtspaar Karin und Heimo Turin muss ja schließlich auch von irgend etwas leben. Dafür hat der Bergfreund etwas, das er in berühmten Skigebieten ganz selten findet: abendliche Ruhe hoch oben in den verschneiten Bergen. Wenn die Bergkameraden das zulassen und ebenfalls still sind, jedenfalls. Es muss schon sehr beeindruckend sein, auf das laute und fröhliche Skidorf St.Anton am Arlberg hinunter zu schauen und oben die Sterne zu sehen, wie man sie nur in abgeschiedener Natur sieht.

Ein paar Mal mal habe ich etwas Ähnliches erlebt. Das Edelweißhaus in Kaisers liegt im Lechtalgebirge am Rande des winzigen Ortes. Die Woche im Herbst war herrlich, abgeschieden und dennoch komfortabel. Der Höhepunkt aber waren die drei Nächte bei Hans-Peter Gallenberger auf der Brunnsteinhüte im Karwendel bei Mittenwald. Wir waren Ende März die ersten und einzigen Gäste, hatten das gesamte Massenlager für uns allein. Hans-Peter ist Hobby-Astronom und hat uns am Abend durch sein Fernrohr schauen lassen und die Monde eines Planeten unseres Sonnensystems gezeigt. Ich weiß nicht mehr, ob es Saturn oder Mars war, aber ich weiß noch, dass es sehr beeindruckend war, so etwas ohne elektronische Verstärkung zu sehen.

Damit niemand glaubt, ich weiß nicht, wie es sonst auf Hütten zugeht: Ich habe auch schon im überbelegten Massenlager einen Teil der Nacht verbracht, etwa auf der Blümlisalphütte (Foto), und bin vor Sonnenaufgang nach draußen gegangen, weil ja grundsätzlich zugempfindliche Menschen direkt neben dem winzigen Fenster schlafen müssen, das deshalb fest geschlossen bleibt.

Ich fürchte, ich muss jemanden mir sehr Nahestehenden überreden, nächstes Jahr mit mir auf die Ulmer Hütte zu fahren. Im Sommer vielleicht?

Skigebiete, Seilbahnen und Natur

Geschrieben am 21. 11. 2012 von Ulli Lenhard

Zillertal, bekannt durch Schürzenjäger, Studiomusiker und sage und schreibe 174 Seilbahnen, Schlepplifte und andere sogenannte Aufstiegshilfen: Reinhold Messner findet es gut. Ich schließe mich aus denselben Gründen an: wenn alle Skifahrer und Urlauber, die gern mit anderen Urlaubern zusammen Urlaub machen, sich an einigen Stellen der Alpen zentral versammeln, werden die abgelegenen Täler geschont.

Früher war ich ein verbal-militanter Gegner jeder Aufstiegshilfe – aus ästhetischen Gründen. Nun habe ich aber festgestellt: Schon die von den Skigebieten im Zillertal abgewandte Seite ist ruhig, mit Winterwanderwanderwegen leicht kennenzulernen und verspricht märchenhafte winterliche Alpenlandschaften.

Das ist ja das Schöne an hohen Bergen. Bereits ein paar hundert Höhenmeter über der Zivilisation ist diese verschwunden. Ganz in der Nähe ist der Großvenediger. Als ich dort oben war, sah die Welt verlassen aus. War sie aber nicht.

Ich schreibe weiter, über Mayrhofen, und demnächst über Fis/Ladis/Samnaun. Im Sommer sieht es  auf Schweizer Seite in Samnaun-Dorf ziemlich industriell aus. Die gigantischen Kabinenbahnen machen aus der Nähe ziemlich Angst. Einen Parkplatz weiter oben – dort wo wegen der Duty-Free-Zone Tankstelle an Tankstelle steht – sehen die benachbarten Hänge schon wieder einladend aus. Ich liebe die Berge dafür, dass sie die Tourismusindustrie einfach wegstecken, und fühle mich versöhnt. Und mal ehrlich: Wir werden alle nicht jünger. Wenn das Bergsteigen schwieriger wird, steige ich gern ein.

Und – ganz ehrlich – ich benutze sie ja auch schon jetzt, wie auf dem Foto über Saas Fee zu sehen. Kann ja auch romantisch sein, oder?

Grau ist nicht immer grau

Geschrieben am 25. 10. 2012 von Ulli Lenhard

Ich ordne die Bilder vom letzten Urlaub in Nauders. Wenn ich hier in Berlin aus dem Fenster schaue, sieht es ebenfalls trübe aus, aber in Tirol war das irgendwie romantischer.

Blick aus der Ferienwohnung über Nauders in die italienischen Alpen

Eine Frage der Perspektive

Geschrieben am 11. 10. 2012 von gds

Die meisten Menschen sind winzig klein. Die Elaborate unserer Zivilisation auch. Das mag ich an den Bergen. Die Welt von oben zu sehen, rückt die Perspektiven zurecht.

Wer mit der Seilbahn hoch fährt, kennt das nicht. Nur wer die endlosen, mühsamen Flanken selbst emporgestiegen ist, ohne technische Hilfe, der erkennt die Proportionen zwischen Natur und Technik, die dem Menschen zugedachte Rolle in dieser Welt.